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Flur im Krankenhaus, in dem viele Menschen und Ärzte unterwegs sind

Project

Pilotprojekt Gewebespende-Koordinator (WDC)

Die NTS führte ein Pilotprojekt zum Einsatz von Gewebespende-Koordinatoren durch, um Ärzte bei der Spende-Prozedur zu unterstützen. Was war das Ergebnis?

Gewebespende ist ein komplexes Verfahren. Mit der Einführung des neuen Spendegesetzes (1. Juli 2020) und des Qualitätsstandards Spende stieg der Bedarf an spezialisierter Unterstützung in Krankenhäusern.

Ärzte haben nur gelegentlich mit Gewebespenden zu tun und haben daher kaum die Möglichkeit, Routine aufzubauen. Sie empfinden das Verfahren als zeitintensiv und kombinieren es mit der sonstigen Patientenversorgung. Dies kann zu einer geringeren Qualität der Nachsorge und weniger Zustimmung zur Spende führen.

Was war das Ziel?

In diesem Pilotprojekt testeten wir, ob eine zentrale Funktion als Gewebespende-Koordinator Ärzte entlasten kann. Alle Verantwortlichkeiten rund um die Gewebespende wurden im Pilotprojekt bei einem spezialisierten Fachmann gebündelt, dem Gewebespende-Koordinator (WDC).

Wir wollten wissen, ob dies Ärzte entlastet, die Betreuung der Hinterbliebenen verbessert und das Verfahren effizienter macht.

kreisförmige Infografik über das Pilotprojekt

Zusammenarbeit

Die NTS koordinierte das Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit Projektleitern aus den Pilotkrankenhäusern. Das Pilotprojekt wurde durchgeführt in:

  • Medisch Centrum Leeuwarden (MCL)
  • Universitair Medisch Centrum Groningen (UMCG)
  • Haaglanden Medisch Centrum (HMC)

Wir baten hierbei um den Einsatz speziell ausgebildeter Krankenhausärzte, Spendekoordinatoren und WDCs.

Fachleute im Gespräch

Vorgehensweise

Der WDC konnte Aufgaben während des gesamten Verfahrens übernehmen: Erkennen von Spendern, Abfragen des Spenderregisters, Führen des Spendegesprächs, Anmelden des Gewebespenders und die Nachsorge für die Hinterbliebenen.

Die Ausgestaltung dieser Rolle unterschied sich je nach Pilotkrankenhaus:

  • MCL & HMC: WDC übernahm alle Aufgaben.
  • UMCG: WDC übernahm nur die Anmeldung.
Laptop mit Stethoskop

Erfahrungen der Projektleiter

Die Projektleiter plädieren für einen strukturellen Einsatz von WDCs:

  • HMC (Jacqueline Blok): Die Erkennung von Gewebespendern verbesserte sich und die Zustimmungsrate stieg deutlich an. Telefongespräche mit Familien funktionierten gut, aber die physische Anwesenheit beim Verstorbenen fehlte manchmal.
  • UMCG (Jan Niesing): WDCs leisteten wertvolle Nachsorge und stellten die Rückmeldung an die Hinterbliebenen sicher. Dies erfordert den regionalen Einsatz von Spendenkoordinatoren als WDC.
  • MCL (Renée Porta): Die 24/7-Erreichbarkeit funktionierte gut. WDCs waren besser vorbereitet und in Kommunikation geschult, wodurch Gespräche und Nachsorge professioneller verliefen.

Ergebnisse

Der Pilot zeigte, dass der Einsatz eines WDC die Qualität des Prozesses erhöht und sowohl von Hinterbliebenen als auch von Fachleuten positiv wahrgenommen wird.

  • Hinterbliebene schätzen vor allem die Zeit und Aufmerksamkeit, die sie vom WDC erhielten. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Spendegespräch persönlich oder telefonisch geführt wurde.
  • Die beteiligten Ärzte schätzen es, dass sie das Verfahren in die Hände von jemandem legen können, der darin geschult ist und mehr Zeit für die Begleitung der Hinterbliebenen hat.
  • WDCs stellen fest, dass sie mit zunehmender Anzahl begleiteter Verfahren eine immer bessere Versorgung leisten können.

Auch die Erkennung potenzieller Spender und die Anzahl der Abfragen des Spenderregisters sind gestiegen. Die NTS kommt zu dem Schluss, dass der Einsatz des WDC die Qualität des Gewebespendenprozesses erhöht und es daher sinnvoll wäre, WDCs breiter einzusetzen.

Praktische und logistische Herausforderungen

Der WDC-Pilot war erfolgreich, aber die landesweite Einführung bringt noch logistische und praktische Herausforderungen mit sich. Ein dediziertes Team von WDCs mit spezifischer Ausbildung und pflegerischem Hintergrund ist erforderlich. Folgende Fragen bleiben offen:

  • Muss ein WDC rund um die Uhr einsatzbereit sein und ist dies im Rahmen des aktuellen Budgets möglich?
  • Was bedeutet eine eingeschränkte Verfügbarkeit für Entnahmeteams und Gewebebanken?
  • Wie erhält ein landesweit tätiges WDC Zugang zu lokalen elektronischen Patientenakten?

Die NTS und das Ministerium für VWS untersuchen diese Fragen, um festzustellen, ob eine landesweite Einführung hinsichtlich Kapazität und Budget machbar ist.