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Entnahmelieferung von Organen vom Flur aus gesehen

Nicht alle Donoren werden für eine Transplantation genutzt

Nicht alle gemeldeten Donoren führen zu Transplantationen. Diese Studie zeigt, welche Faktoren dazu beitragen, dass potenzielle Donoren letztendlich nicht genutzt werden.

Vor allem ältere Donoren und Donoren mit Komorbiditäten werden häufiger nicht genutzt. Zudem zeigt die Untersuchung erneut, dass Organe bei potenziellen Donoren nach Hirntod (DBD) häufiger genutzt werden als bei potenziellen Donoren nach Herztod (DCD).

Publikation

Analysis of Unused Organ Donors in the Netherlands: Older Donor Age Associated With Higher Risk of Non-Utilization

Autoren: K.A. Chotkan, M.A. Kuiper, I.P.J. Alwayn, M.B.A. Heemskerk, A.E. Braat, N.E. Jansen

Transplant International, 11. März 2025

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Hintergrund und Ziel

Krankenhäuser und Transplantationszentren stellen schon länger fest, dass gemeldete Donoren offenbar seltener transplantiert wurden. Diese Studie untersuchte, ob dieser Anstieg objektiv nachweisbar ist und welche Faktoren dazu beitragen.

  • Design: Es handelt sich um eine retrospektive Analyse aller gemeldeten verstorbenen Donoren in den Niederlanden zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 31. Dezember 2023 (n=2.235)
  • Definitionen: Ein utilized donor ist jemand, von dem mindestens ein Organ transplantiert wurde. Bei unutilized donors wurden keine Organe transplantiert.

Was waren die Ergebnisse?

Die Anzahl der gemeldeten Donoren stieg im Zeitraum 2018–2023 um 14 %: von 359 im Jahr 2018 auf 410 im Jahr 2023. Insgesamt wurden 2.235 potenzielle Donoren für eine Organspende gemeldet.

Bei 1.618 Donoren (72,4 %) wurde mindestens ein Organ transplantiert. 617 Donoren (27,6 %) wurden nicht genutzt.

Auffällige Trends

  • Die Anzahl der utilized donors stieg nur geringfügig: von 276 im Jahr 2018 auf 285 im Jahr 2023 (+3 %).
  • Die Anzahl der non-utilized donors stieg stark an: von 83 im Jahr 2018 auf 125 im Jahr 2023 (+51 %).

Häufigste Gründe, warum Donoren nicht genutzt wurden:

  • Eine agonale Phase von mehr als 2 Stunden bei DCD-Spendern (45 %).
  • Eine inakzeptable medizinische Vorgeschichte beim Screening (22 %).

Unterschiede zwischen DBD- und DCD-Spendern

  • Bei DBD-Spendern wurden 13 % nach der Anmeldung dennoch nicht genutzt, gegenüber 35 % bei DCD-Spendern.
  • Bei über 75-jährigen DCD-Spendern wurden sogar 50 % nicht genutzt.

Spendenmerkmale

Betrachtet man alle Spender (sowohl DBD als auch DCD), die in dieser Studie nicht genutzt wurden:

  • Sie sind im Durchschnitt älter als die genutzten Spender.
  • Sie haben häufiger Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes.

Dies bestätigt die Hypothese, dass es sich häufiger um sogenannte Extended Criteria Donors (ECD-Spender) handelt. Dabei handelt es sich um Organe von Spendern, die zuvor als nicht geeignet angesehen wurden.

Es muss jedoch erwähnt werden, dass wir mit dieser Studie keine Gruppe potenzieller Spender von der Spende ausschließen können. Auch wenn Organe älterer Spender häufiger abgelehnt werden, liefert diese Gruppe dennoch viele erfolgreiche Transplantationen.

Hintergrund: Warum findet bei DCD-Spendern seltener eine Spende statt?

Bei DCD-Spendern wurde eine Spende häufiger nicht durchgeführt, weil die agonale Phase länger als 2 Stunden dauerte. Die agonale fase ist der Zeitraum zwischen dem Abbruch der lebenserhaltenden Behandlung (Switch-off) und dem Tod des Patienten. Erst nach Eintritt des Todes werden die Organe entnommen.

Zur Erhaltung der Organqualität ist eine maximale Zeitspanne bis zum Eintritt des Kreislaufstillstands festgelegt. Danach ist ein Organ für eine Transplantation weniger oder gar nicht mehr geeignet.

Ausserdem ist es schwer vorherzusagen, wann der Tod eintreten wird; einige Patienten sterben erst nach vielen Stunden, weshalb eine klare Grenze erforderlich ist.

Warum ist diese Studie für die Organkette wichtig?

Die Überalterung der Spenderpopulation nimmt weiter zu. Die Kette muss weiterhin in Technologie wie die Maschinenperfusion investieren. Ausserdem sind strategische Entscheidungen darüber erforderlich, wann die Grenzen für den Einsatz von ECD-Spendern (Extended Criteria Donors) erreicht sind.

Diese Studie bietet der Organkette wertvolle Einblicke, um die Effektivität, Effizienz und die gesellschaftliche Wirkung innerhalb der Organkette zu steigern. So können wir gesellschaftlich verantwortungsbewusst, zielgerichtet und nachhaltig arbeiten.

Durch grosszügigere Kriterien für die Annahme von Spendern (auch ältere Spender und Spender mit Vorerkrankungen) steigt die Zahl der Transplantationen. Gleichzeitig nimmt der Prozentsatz der nicht genutzten Spender zu. Auch Verfahren, die nicht zu einer Transplantation führen, erfordern den intensiven Einsatz des Intensivteams, OP-Kapazitäten und den Einsatz von Perfusionsgeräten. Zudem hat es Auswirkungen auf die Hinterbliebenen, wenn sich herausstellt, dass eine Spende doch nicht stattfindet.

Wer hat zusammengearbeitet?

Die Datenanalyse basiert auf nationalen Spardaten der NTS. Die Forschenden sind an verschiedene Zentren angebunden:

  • Das Transplantationszentrum und die Abteilung für Chirurgie des LUMC (Chotkan, Alwayn, Braat)
  • Die Intensivstation des Medizinischen Zentrums Leeuwarden (Kuiper).
  • NTS (Chotkan, Heemskerk, Jansen).

Verwandte Forschung

Spenden-Intensivmedizinerin Angela Kotsopoulos entwickelte ein Modell zur Vorhersage der Zeit bis zum Versterben. Das Modell prognostiziert recht gut, welche Patienten innerhalb von 1 oder 2 Stunden versterben. Aber auch diese Studie gelang es nicht, eine Gruppe von Spendern zu benennen, bei denen man es nicht mehr versuchen möchte.

 

Angela Kostopoulus bei der Arbeit