'50 Prozent mehr Nierentransplantationen durch Cross-over+'
Jacqueline van de Wetering und Kristiaan Glorie arbeiten gemeinsam an Cross-over+. Dieses Austauschprogramm verbessert die Vermittlung von Lebendnierenspendern und -patienten.
2 oktober 2025
Nephrologin Jacqueline van de Wetering war maßgeblich an der Entwicklung von Cross-over+ durch das Erasmus MC beteiligt. Sie ist Mitglied der Steuerungsgruppe, die die landesweite Einführung überwacht.
Kristiaan Glorie ist Ökonometriker und Direktor von Erasmus Q Intelligence, das Wissen der Universität in gesellschaftliche Anwendungen übersetzt. Er entwickelte gemeinsam mit seinen Kollegen den neuen Algorithmus.
Lange Wartezeiten
Jacqueline: „Im Jahr 2002 haben wir Cross-over für Patienten mit einem Nierenspender entwickelt, der zwar spenden konnte, aber nicht an sie selbst. Entweder aufgrund einer inkompatiblen Blutgruppe oder weil der Patient Antikörper gegen die Gewebemerkmale des Spenders hatte. Durch die Kopplung von Paaren mittels eines Algorithmus machten wir einen Spendertausch möglich.
Wir sahen jedoch, dass Menschen mit der Blutgruppe 0 oder B oder mit Antikörpern gegen viele Gewebemerkmale sehr lange warten mussten. Dagegen wollten wir etwas unternehmen. Seit 2002 gab es zudem viele Entwicklungen bei Lebendspenden. Wir können manchmal dank Filtern über die Blutgruppengrenzen hinweg transplantieren. Eine Transplantation ist manchmal auch möglich, wenn jemand zwar Antikörper gegen das Gewebe des Spenders hat, aber nicht zu viele. Außerdem vermitteln wir über Cross-over häufiger altruistische Spender, die nicht mit einem Patienten kommen, was mehr Übereinstimmungen ermöglicht.“
Cross-over+
„Im neuen Cross-over+ haben wir all dies integriert. Für Patienten, die sehr lange warten, können wir mehr Optionen auswählen, wie etwa die Transplantation über die Blutgruppengrenzen hinweg. Dadurch konnten wir bereits mehreren lang wartenden Menschen eine Transplantation ermöglichen. Deshalb wird die NTS dies landesweit ausrollen. Meiner Meinung nach sollten alle Spender und Patienten in Cross-over+ aufgenommen werden. Das ermöglicht viel bessere Kombinationen, was langfristig das Risiko einer Abstoßung verringert.“
Projekt Cross-over+
Das Cross-over-Programm ist für Patienten mit einem Lebendnierenspender gedacht, die zwar spenden können, aber nicht an den eigenen Patienten. Durch die Kopplung von Paaren über das Programm wird ein Austausch möglich.Lesen Sie hier mehr über das Projekt Cross-over+.
50 Prozent mehr Transplantationen
Kristiaan: „Erasmus Q Intelligence ist mit dem Fachbereich Ökonometrie der Erasmus-Universität Rotterdam verbunden. Ökonometrie ist im Grunde eine Kombination aus Mathematik, IT und Wirtschaft. Es geht oft um Verteilungsfragen, und das ist eine Brücke zur Transplantation. Wir haben einen neuen Algorithmus für die Zuteilung von Nieren in Cross-over+ entwickelt. Die Art des Austauschs erweist sich als entscheidend für die Anzahl der Transplantationen. Diese kann um fast 50 Prozent steigen, wie Simulationsstudien des Erasmus MC zeigen. Bei hochimmunisierten Patienten liegt der Anstieg bei 100 Prozent und bei Langzeitwartenden sogar bei 200 Prozent.“
Integrierte Techniken
„Früher gab es separate Programme: Auf nationaler Ebene gab es Cross-over, lokal führte man Transplantationen über die Blutgruppen- und Antikörperbarriere hinweg durch. Cross-over+ integriert all diese Möglichkeiten in ein einziges Programm und berechnet mit mathematischen Techniken das beste Ergebnis. Durch die Nutzung von Synergieeffekten ist das Endergebnis weitaus besser als die Summe der einzelnen Programme.
Die Mathematik dahinter ist ziemlich komplex. Die Kunst besteht darin, sie erklärbar zu halten. Dafür war es wichtig, den beteiligten Fachleuten gut zuzuhören und uns in die medizinische Seite zu vertiefen. So konnten wir eine gute Übersetzung leisten. Durch das Sammeln von Daten in der Praxis können wir das Programm in den kommenden Jahren weiter optimieren.“
Dieser Artikel stammt aus dem Magazin Transparant (Nr. 96).
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