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Ramzi Oulad Lmaroudia – ein Seelsorger mit einem freundlichen Lächeln

Wie führt man ein kultursensibles Gespräch?

Worauf sollte man beim Gespräch über Organspende achten? Wie geht man vor, wenn dies aus unterschiedlichen kulturellen Hintergründen verschieden betrachtet wird? Lesen Sie das Interview mit Ramzi Oulad Lmaroudia.

1 oktober 2024

Ramzi Oulad Lmaroudia ist Seelsorger bei der GGzE Eindhoven. Er bietet einer breiten Gruppe von Menschen Beistand. Organspende.

„Nicht weniger als jeder dritte Niederländer hat einen Migrationshintergrund. Und davon sind etwa zwei Drittel nicht-westlich. Es ist also logisch, dass dies Anforderungen an die Gesprächsführung in der medizinischen Praxis stellt. Vor allem, wenn es um so sensible Themen wie Lebensende und Organspende geht. Menschen aus anderen Kulturen denken darüber oft anders als Menschen mit niederländischem Hintergrund.“

Aufmerksamkeit für spezifische Bedürfnisse

„In meiner Rolle als Seelsorger stehe ich Menschen bei, wenn das ‚Gewohnte‘ durchbrochen wird. Denken Sie dabei an Krankheit, Verlust und Sterben. Dann brauchen Patienten, Angehörige oder Hinterbliebene ein offenes Ohr.“

„Gläubige Menschen haben manchmal besondere Bedürfnisse. Bei Bedarf und auf Wunsch kann der Seelsorger für sie Rituale durchführen, die vom Vorlesen aus dem Koran – oder einem anderen religiösen Buch – bis hin zum Gebet für kranke Personen reichen. Aber auch Roma, Bewohner von Wohnwagenplätzen und Menschen aus dem niederländischen ländlichen Raum sind Gruppen mit einem spezifischen Hintergrund und einer eigenen Kultur. Für all diese Menschen ist landesweit mehr Aufmerksamkeit für kultursensible Pflege und Gesprächsführung erforderlich.“

Offenheit und Neugier

Aufgrund seines muslimischen Hintergrunds ist der Islam Ramzis Schwerpunkt. „Aber ich bin für jeden da“, betont er. „Ob jemand römisch-katholisch, buddhistisch oder muslimisch ist, spielt für mich keine Rolle. Kultursensibel bedeutet, dass man die Weltanschauung und den Hintergrund seines Gesprächspartners oder des Verstorbenen einbezieht und respektiert. Sie bestimmen die Normen und Werte eines Menschen.“

„Aufmerksamkeit dafür ist essenziell, da daraus Gesundheitsentscheidungen und Verhalten resultieren. Um ein gutes Gespräch zu führen, sind meiner Meinung nach zwei Eigenschaften von grundlegender Bedeutung: Man muss offen für den anderen sein und neugierig bleiben.“

Von Geistern besessen

„Ein Beispiel ist Schizophrenie. Manche Menschen aus der Karibik oder mit muslimischem Hintergrund sehen dies nicht als Krankheit. Sie glauben, dass jemand von Geistern besessen ist. Da muss man ganz anders kommunizieren, wenn man eine ‚Behandlung‘ besprechen will. Mit Respekt und Wissen über ihre Kultur. Wenn man sich als Behandler oder Seelsorger darin vertieft, versteht man, warum ein Patient oder Angehöriger etwas sagt oder entscheidet.“

Auf den Kontext achten

Es gibt sogenannte Low-Context- und High-Context-Kulturen. Diese bestimmen mitunter den Kommunikationsstil. Ramzi erklärt: „Die niederländische Kultur ist ein Beispiel für eine Low-Context-Kultur. Die Kommunikation ist direkt, explizit, geradeheraus. Und: Abmachung ist Abmachung. Die Worte selbst vermitteln die Botschaft.“

In High-Context-Kulturen, wie in Südeuropa und nicht-westlichen Ländern, ist hingegen der Kontext entscheidend. Religiöser Hintergrund, Tonfall, Emotionen und die Gemeinschaft spielen eine Rolle. So wird in einer High-Context-Kultur ein kranker älterer Mensch von der Familie gepflegt. In den Niederlanden ist es üblich, jemanden in einem Pflegeheim unterzubringen. Solche kulturellen Unterschiede wirken sich direkt auf Gespräche aus.

Wortwahl beim Abbruch einer Behandlung

„Unsere niederländische Kommunikation wird oft nicht verstanden oder geschätzt. Die Wortwahl ist wichtig. Die Botschaft ‚Wir werden die Behandlung beenden‘ ist für die meisten Niederländer klar. Für High-Context-Kulturen ist das viel zu direkt. Bei ihnen klingt es respektvoller, wenn ein Arzt es so formuliert: ‚Wir werden prüfen, ob die Behandlung noch fruchtbar ist.‘“

Vorurteile gegenüber Organspende

Kulturelle Unterschiede, Unwissenheit und Vorurteile haben auch Folgen für medizinische Behandlungen und den Organspendeprozess. Ramzi: „Wenn man sich medizinische Behandlungen ansieht, sind muslimische Patienten oft zurückhaltend beim Angebot von Morphin und palliativer Sedierung. Also werden sie weiterbehandelt, was zu menschenunwürdigen Situationen führen kann. Bei der Organspende kämpfen religiöse Patienten und ihre Angehörigen regelmäßig mit Fragen. So wissen sie zum Beispiel nicht, ob sie ein Organ von jemandem empfangen oder an jemanden spenden dürfen, der nicht gläubig ist.“

Materialien in verschiedenen Sprachen

Kultursensible Pflege und Gesprächsführung können in solchen Situationen helfen. Hierfür ist mehr Aufmerksamkeit erforderlich, findet der Seelsorger. Er denkt dabei zum Beispiel an Materialien. ‚Wie Broschüren und Videos in der Sprache von Menschen mit nicht-westlichem Hintergrund. Insbesondere auf Marokkanisch und Türkisch. Aber auch auf Ukrainisch oder Syrisch ist noch wenig verfügbar. Ein Dolmetscher löst nicht immer alles, da bei der Übersetzung oft viele Informationen verloren gehen.‘

Politik ist notwendig

Trotz der Notwendigkeit für Verbesserungen sieht Ramzi dennoch einen positiven Trend. ‚Hier in Limburg gibt es innerhalb der Seelsorge nur begrenzte Aufmerksamkeit für Vielfalt und Inklusivität, aber ab Brabant ist das mehr der Fall. Sicherlich innerhalb der Psychiatrie und der häuslichen Pflege.‘ Er plädiert jedoch für einen strukturell nachhaltigeren Ansatz.

‚Ich werde ab und zu von Leuten an der Basis eingeladen, um über kultursensible Pflege zu sprechen. Schön und wichtig, dass sie dem Aufmerksamkeit schenken. Aber es ist auch notwendig, die Ebene darüber zu erreichen, damit es zur Politik werden kann. Sowohl in den Pflegeeinrichtungen als auch vonseiten der Regierung muss es einen nachhaltigen Charakter bekommen. Erst dann profitieren Patienten und Hinterbliebene aus verschiedenen Kulturen wirklich davon.‘

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Dies ist ein Artikel aus dem kostenlosen Magazin Transparant. Melden Sie sich an und erhalten Sie zweimal jährlich Transparant.

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