„Eine Spende bei einem Kind ist immer besonders emotional“
Marjan Bijmolen ist Organspende-Koordinatorin (ODC) am UMCG in Groningen. Sie berichtet über Verfahren bei Kindern, die oft schwierig sind.
12 juni 2023
Wenn ein Patient auf der Intensivstation schnell verstirbt, berät sich der Arzt mit einem ODC, ob dies möglicherweise ein Organspender ist. Ganz selten handelt es sich dabei um ein Kind. Marjan Bijmolen (ODC) berichtet von ihren Erfahrungen damit.
Gut, das Protokoll schnell nachlesen zu können
„Es ist erstens gut, dass das Verfahren bei einem Kind im Protokoll ‚Kind als Spender‘ separat beschrieben ist. Das bietet Halt. Ich hatte es jetzt zweimal damit zu tun. Man steht in einem solchen Moment immer unter Zeitdruck. In einer so akuten Situation ist es gut, dass man schnell nachlesen kann, wie es noch einmal war. Bei Kindern ab 12 Jahren muss man zum Beispiel immer das Organspenderegister konsultieren, da ein Kind in diesem Alter bereits darin eingetragen sein kann.“
„Auch beim Hirntod gibt es Dinge, auf die man bei sehr jungen Kindern genau achten muss. So muss man bei Kindern in der ersten Lebenswoche noch 48 Stunden warten, nachdem der Hirntod festgestellt wurde. Bei Kindern bis zwei Monate sind das 24 Stunden und bei Kindern bis 12 Monate 12 Stunden. Im Protokoll ist das alles ordentlich aufgeführt.“
Weniger Unsicherheit bei Ärzten
„Wenn die NTS anruft, weil ein Arzt sich über einen Kinderspender beraten möchte, lese ich das Protokoll kurz durch. So bin ich schnell wieder auf dem neuesten Stand. Organspende bei Kindern kommt nicht oft vor. Das sorgt manchmal bei einem Kinderintensivmediziner für Unsicherheit. Organspende-Koordinatoren sind dann da, um die Unsicherheit zu nehmen und Fragen zu beantworten.“
Klare Erklärung für Eltern
„Organspende bei Hirntod wird immer bevorzugt, aber manchmal möchten Eltern unbedingt beim Herzstillstand ihres Kindes anwesend sein. Das ist möglich. Wir entscheiden uns dann für ein DCD-Verfahren (Spende nach Herz-Kreislauf-Tod).“
„Die Eltern erhalten eine klare Erklärung, dass sie nach dem Herzstillstand noch 5 Minuten Zeit haben, um Abschied zu nehmen, wonach wir jedoch schnell in Richtung Operationssaal müssen, um die Qualität der Organe so gut wie möglich zu erhalten. Auch dies ist im Protokoll beschrieben.“
Eigene Emotionen unter Kontrolle halten
„Spendeverfahren sind immer emotional. Aber wenn es um ein Kind geht, ist die Belastung noch größer. Man bereitet sich darauf vor, wenn man dorthin fährt. Oft spürt man einen Kloß im Hals oder bekommt feuchte Augen, aber man kann natürlich nicht ausgiebig mitweinen.“
„Man muss wirklich einen Schalter umlegen und seine eigenen Emotionen unter Kontrolle halten. Das kostet viel Energie. Aber ein gut abgeschlossenes Verfahren mit, den Umständen entsprechend, zufriedenen Eltern gibt einem wiederum Energie.“
Initiatorin auf dem Fachgebiet
Marion Siebelink promovierte 2013 mit einer Untersuchung zur Organspende bei Kindern. Sie ist die Initiatorin des Protokolls ‚Kind als Spender‘ und sieht, dass es in einem solch besonders emotionalen Verfahren wertvoll ist.
Protokoll Kind als Spender
Das Protokoll ‚Kind als Spender‘ beschreibt, wie das Spendeverfahren bei Kindern bis 18 Jahren abläuft.
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