„Mit dem Kinderprotokoll hat man schnell alle Fakten parat“
Nikki Duijst ist Organspende-Koordinatorin am UMCG Groningen. Kurz nach ihrer Einarbeitungszeit wurde sie mit einer Organspende bei einem Kind konfrontiert.
23 juni 2023
Nikki Duijst ist Organspende-Koordinatorin am UMCG Groningen. Kurz nach ihrer Einarbeitungszeit wurde sie mit einer Organspende bei einem Kind konfrontiert.
„Anfang dieses Jahres begleitete ich meine erste Spende bei einem Kind. Es handelte sich um einen 14-jährigen Jungen. Seine Eltern fanden es sehr gut, dass die Organe ihres Sohnes gespendet werden konnten.“
Unterschiede zu Erwachsenen schnell parat
„Ich arbeitete damals noch nicht lange als Organspende-Koordinatorin. Das Verfahren bei einem Kinderspender ist etwas anders als bei einem Erwachsenen. Deshalb habe ich vor dem Eingriff das Kinderprotokoll noch einmal genau durchgelesen. Die kleinen Unterschiede kenne ich nicht auswendig. Deshalb ist das Protokoll so hilfreich. Die Diagnostik zur Feststellung des Hirntods kann zum Beispiel abweichen. Und man geht auch anders in das Spendegespräch. Wenn man vorher alle wichtigen Punkte wieder klar vor Augen hat, läuft das Verfahren reibungsloser.“
Protokoll hilft bei Fragen von Kollegen
„Auch im Gespräch mit Kollegen ist es angenehm, wenn man alle Fakten wieder parat hat. An einem Spende-Verfahren sind viele Fachkräfte beteiligt, wie ein Intensivmediziner, Kardiologe, Neurologe, Lungenfacharzt, Kinder-Intensivpflegekräfte und das Entnahmeteam. Während eines Verfahrens haben wir hauptsächlich Kontakt zum Intensivmediziner. Wenn dieser Fragen oder Zweifel hat, ist es gut, wenn wir auf ein Protokoll verweisen können, in dem alle wichtigen Informationen stehen.“
Unterstützung der Familie
„Es stehen auch allerlei Tipps und wichtige Punkte darin. So ist es besonders wichtig, Unterstützung anzubieten, wie geistliche Betreuung und Sozialarbeit. Manchmal ist die Unterstützung durch einen pädagogischen Mitarbeiter für eventuelle Geschwisterkinder nützlich. Bei verstorbenen Kindern bietet man je nach Bedürfnis der Eltern auch Dinge wie Fotos von ‚Make a Memory‘, Fußabdrücke und Haarsträhnen an. Die Möglichkeiten sind etwas anders als bei Erwachsenen.“
Raum für Abschied
„Als Organspende-Koordinatoren versuchen wir, das Verfahren so reibungslos wie möglich verlaufen zu lassen. Wir planen die verschiedenen Untersuchungen am liebsten zügig hintereinander. Es ist jedoch wichtig, den Eltern weiterhin den Raum zu geben, sich so umfassend wie möglich verabschieden zu können. Es ist gut, sich dessen bewusst zu sein. Das bedeutet manchmal, dass man eine Untersuchung später durchführt.“
Zu zweit
„Neun von zehn Mal führen wir die Gespräche mit den Eltern zu zweit. So kann man sich bei Bedarf gut ergänzen und unterstützen. Viele Situationen in unserer Arbeit sind traurig und bedrückend, aber wenn es um Kinder geht, hat dies oft eine andere Bedeutung.“
Promotionsforschung
Marion Siebelink promovierte 2013 mit einer Forschungsarbeit über Organspende bei Kindern. Sie ist die Initiatorin des Protokolls ‚Kind als Spender‘ und sieht, dass es in einem solch besonders emotionalen Verfahren wertvoll ist.
Protokoll Kind als Spender
Das Protokoll ‚Kind als Spender‘ beschreibt, wie das Spende-Verfahren bei Kindern bis 18 Jahren abläuft. Dieses Protokoll wurde gemeinsam mit dem Fachbereich entwickelt. Es enthält neben sachlichen Informationen auch klare Leitlinien und Tipps für die Führung eines Spendegesprächs.
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