„Gleich vier Schwestern wollten Nierenspenderin sein“
Als Herman eine neue Niere brauchte, wollten gleich 4 seiner Schwestern Spenderin sein. Eine Luxussituation für Herman, aber auch ein Dilemma für die Schwestern.
24 september 2024
Herman: „Es schwebte schon seit Jahren über mir: Aufgrund meiner Nierenerkrankung IgA-Nephropathie würde ich irgendwann eine Nierentransplantation benötigen. Ich habe 5 Schwestern und eine von ihnen sagte während eines Familientreffens: Wenn es so weit ist, kannst du meine Niere haben.“
„Die 3 anderen Schwestern schlossen sich ihr spontan an und meldeten sich ebenfalls als Spenderinnen. Das hat mich zutiefst bewegt. Diese Großzügigkeit! Ich fühlte mich als riesiger Glückspilz. Aber wer es werden sollte, war für meine Schwestern noch ein ziemliches Dilemma.“
Plus- und Minuspunkte
Gerdie, Hermans Schwester: „Warum nicht? So dachte ich über eine Nierenspende an Herman. Wenn ich jemandem helfen kann, möchte ich das gerne tun. Aber da waren noch drei andere Schwestern. Wer es werden sollte, war eine ziemlich schwierige Entscheidung. Eine Schwester wollte gerne spenden, war aber medizinisch am wenigsten kompatibel. Eine andere Schwester hatte das Gefühl, sie müsse Herman beschützen und schloss deshalb eine andere aus.“
„Letztendlich haben wir in einem offenen Gespräch alle Plus- und Minuspunkte abgewogen und entschieden, dass ich es sein sollte. Und ich habe es keinen Tag bereut. Dass Herman durch die Transplantation jetzt wieder mitten im Leben steht, darüber bin ich riesig froh.“
Froh über die Niere unserer Ger
Letztendlich wurde es Gerdie. „Sie ist pfeifend durch den Spenderprozess gegangen. Gerben vom Radboudumc (medizinischer Sozialarbeiter, Anm. d. Red.) hat diesen Prozess hervorragend begleitet. Aber bei mir lief es nicht wie am Schnürchen. Ich wurde neunmal mit Komplikationen aufgenommen. Aber jetzt, vier Jahre nach der Operation, ist alles gut. Und die Niere unserer Ger hat die ganze Zeit über wunderbar funktioniert.“
Eine Niere zu spenden ist deine eigene Entscheidung
Ellen van Ommen (Nierenspezialistin am Radboudumc): „Als Ärztin beurteile ich, ob ein Spender medizinisch für eine Spende infrage kommt. Aber letztendlich liegt es immer am Spender selbst, Ja oder Nein zu sagen. Das halte ich für das Wichtigste, wenn ich mit Menschen spreche, die möglicherweise Spender werden wollen.“
„Ich sage immer: Auch wenn du als Spender perfekt passt, auch wenn deine Mutter oder dein Bruder noch so glücklich darüber wären, du musst es nicht tun. Es geht also nicht nur darum, ob du medizinisch geeignet bist. Es gibt ein gutes Team aus Sozialarbeitern und spezialisierten Pflegekräften, um Menschen bei der Entscheidung zu helfen.“
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