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Michael Kuiper. Er blickt lachend in die Kamera.

Hirntod und das Hirntodprotokoll: Sorgfalt steht an erster Stelle

Über die Feststellung des Hirntods flammen von Zeit zu Zeit Diskussionen auf. Michael Kuiper und Rob Rouhl erklären, wie wir hier in den Niederlanden sorgfältig damit umgehen.

28 januari 2023

Fall Archie Battersbee

Der Fall des 12-jährigen Archie aus England ist ein gutes Beispiel für die Unruhe, die entstehen kann. Archie wurde im April 2022 mit einer schweren Hirnverletzung ins Krankenhaus eingeliefert. Nach einer umfassenden medizinischen Untersuchung kamen die Ärzte zu dem Schluss, dass seine Situation aussichtslos war. Sie wollten daher seine Behandlung beenden.

Seine Familie war damit nicht einverstanden. Dies führte zu einem langen Rechtsstreit, in dem auch die Feststellung des Hirntods Teil der Diskussion war. Nach vier Monaten entschied der Richter, dass die Behandlung beendet werden durfte. Dies geschah im August 2022. Auch in den niederländischen Medien führte der Fall Archie zu Verwirrung rund um den Begriff Hirntod, sowohl in der Öffentlichkeit als auch unter Medizinern.

Hirntod und Organspende

Von einer Organspende war im Fall von Archie Battersbee keine Rede. Der Grund, warum die Ärzte bei ihm den Hirntod feststellen wollten, war lediglich, um seine Behandlung beenden zu können. Dies ist außergewöhnlich. In 99,9 % der Fälle, in denen das Hirntodprotokoll angewendet wird, geschieht dies im Rahmen einer möglichen Organspende.

Der Neurologe und Intensivmediziner Michael Kuiper (Medisch Centrum Leeuwarden): 'Es geht um Patienten mit schweren Hirnverletzungen durch beispielsweise eine Hirnblutung, einen Unfall oder Sauerstoffmangel nach einer Reanimation. Sie liegen auf der Intensivstation und werden mechanisch beatmet. Wenn Ärzte bei diesen Patienten keine Möglichkeit mehr für eine Genesung sehen, liegt eine infauste Prognose vor. Diese Situation wird mit der Familie besprochen. Wenn die Ärzte denken, dass der Patient möglicherweise hirntot ist, dannkonsultieren sie das Spenderregister. Bei Zustimmung zur Organspende starten sie in Absprache mit der Familie das Hirntodprotokoll. Wenn sich nach dem vollständigen Durchlaufen dieses Protokolls herausstellt, dass der Patient tatsächlich hirntot ist, wird mit den Vorbereitungen für ein Organspendeverfahren begonnen. Dies nennt man Organspende nach Hirntod, auch bekannt als Donation after Brain Death (DBD).'

'Unter Hirntod versteht man den vollständigen und unwiederbringlichen Verlust der Funktionen des Gehirns, einschließlich des Hirnstamms und des verlängerten Marks.'

Das Hirntodprotokoll

Bei einem DBD-Spendenverfahren wird der Tod des Spenders auf Basis des Hirntodprotokolls festgestellt. Aus welchen Schritten besteht dieses Protokoll?

1. Untersuchung der präabelen Voraussetzungen

Der Arzt stellt fest, dass die sogenannten präabelen Voraussetzungen erfüllt sind: Es liegt eine fatale Hirnverletzung vor, deren Ursache bekannt ist und für die keine Behandlung mehr möglich ist. Zudem ist es wichtig, eine Reihe anderer Ursachen für die Bewusstlosigkeit oder Reaktionslosigkeit auszuschließen.

2. Ausschluss einer medikamentösen Neurodepression

Der Arzt schließt aus, dass eine medikamentöse Neurodepression vorliegt. Kuiper: 'Wenn ein Patient beispielsweise Sedativa oder Schmerzmittel erhalten hat, müssen die Ärzte mit der Feststellung des Hirntods warten, bis diese Medikamente ausreichend abgebaut sind.'

3. Klinisch-neurologische Untersuchung

Es findet eine klinisch-neurologische Untersuchung statt. Hierbei prüft der Arzt, ob kein Bewusstsein und keine Hirnstammreflexe mehr vorhanden sind und ob Anzeichen für das Fehlen einer spontanen Atmung vorliegen.

4. Ergänzende Untersuchung: das Großhirn

In dieser ergänzenden Untersuchung testet der Arzt den Status des Großhirns. Dies kann durch die Messung der elektrischen Hirnaktivität (mittels Elektroenzephalogramm (EEG)) oder der Hirndurchblutung (mittels transkranieller Doppler-Sonographie (TCD) oder CT-Angiographie (CTA)) erfolgen. In niederländischen Krankenhäusern ist die meiste Expertise im Bereich des EEG vorhanden. Daher wird dieses Verfahren am häufigsten angewandt.

5. Ergänzende Untersuchung: Apnoe-Test

Der zweite Test der ergänzenden Untersuchung ist der Apnoe-Test. Dieser wird durchgeführt, um zu prüfen, ob noch eine spontane Atmung vorhanden ist.

Das Hirntodprotokoll ansehen

Verschiedene medizinische Fachkräfte beteiligt

Das Hirntodprotokoll wird sehr sorgfältig durchgeführt. Neurologe Rob Rouhl (Maastricht UMC+): ‚Die verschiedenen Bestandteile des Protokolls werden alle von medizinischen Fachkräften mit spezifischer Expertise durchgeführt. So führt ein (Kinder-)Neurologe die klinisch-neurologische Untersuchung durch und ein klinischer Neurophysiologe das EEG. Bei einer TCD oder CTA werden ein klinischer Neurophysiologe bzw. ein Neuroradiologe hinzugezogen. Der Apnoe-Test wird in der Regel von einem Intensivmediziner, Anästhesisten oder Lungenfacharzt durchgeführt.‘

Gewährleistung der vollständigen Protokolldurchführung

‚Zudem gibt es ein gesetzlich festgelegtes Formular, das sicherstellt, dass alle Schritte des Protokolls vollständig durchlaufen werden. Erst wenn das gesamte Hirntodprotokoll abgeschlossen ist und alle Kriterien erfüllt sind, erklärt der Neurologe am Ende dieses Formulars, an welchem Datum und zu welcher Uhrzeit der Hirntod festgestellt wurde. Dies ist sowohl medizinisch als auch rechtlich der Zeitpunkt des Todes.‘

Wichtige Punkte

Kuiper weist auf einige wichtige Punkte im Protokoll hin. ‚Ein wichtiger Punkt ist, dass die Ursache des Hirntods eindeutig ist. Auch müssen eventuelle neurodepressive Medikamente ausreichend abgebaut sein, bevor mit dem Protokoll begonnen wird.‘

‚Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Vorhandensein von spinalen Reflexen. Rouhl: ‚Auch nach dem Tod wurden bei hirntoten Patienten verschiedene Bewegungen beschrieben. Zum Beispiel der Arme oder Beine. Obwohl der Patient verstorben ist und keinerlei Hirnaktivität mehr vorhanden ist, findet noch eine Perfusion aller anderen Organe und des Rückenmarks statt. Durch das Rückenmark verlaufen auch weiterhin Reflexe, die sogenannten spinalen Reflexe. Die Bewegung eines Arms oder Beins nach einem Reiz ist ein spinaler Reflex und keine Reaktion aus dem Hirnstamm. Es ist für Ärzte und Angehörige gut zu wissen, dass dies geschehen kann, aber dass es nicht auf Reaktionen aus dem Gehirn hindeutet.‘

Hirntod und Zeitpunkt des Todes

Wie bereits erwähnt, ist der Zeitpunkt, an dem der Hirntod auf Basis des Hirntodprotokolls festgestellt wurde, sowohl medizinisch als auch rechtlich der Zeitpunkt des Todes. Dies ist anders, wenn ein Patient nach dem Abbruch der Behandlung stirbt, wie es beispielsweise bei einer Organspende nach einem Kreislaufstillstand (Donation after Circulatory Death oder DCD) der Fall ist. In diesem Moment stoppt auch der Blutkreislauf.

Bei hirntoten Patienten bleibt der Kreislauf in Gang, solange der Verstorbene beatmet wird. Rouhl: ‚In dem Moment, in dem die Angehörigen von einem verstorbenen (hirntoten) Patienten Abschied nehmen, fühlt sich der Verstorbene noch warm an und er wird beatmet. Das widerspricht dem Gefühl. Möglicherweise ist dies ein Grund dafür, dass manchmal Verwirrung darüber entsteht, ob ein hirntoter Patient tatsächlich verstorben ist.‘

Falsche Verwendung des Begriffs Hirntod

Es ist wichtig, den Begriff Hirntod sorgfältig zu verwenden. Ein Teil der Verwirrung um Hirntod und Tod entsteht möglicherweise durch die falsche Verwendung dieses Begriffs. So gibt es Situationen, in denen Menschen hirntot sein sollen, sich aber nach einer Weile doch wieder erholen und somit nicht wirklich verstorben sind.

Kuiper untersuchte diese Situationen. ‚In allen Fällen, die ich untersucht habe, lag kein tatsächlicher Hirntod vor, und es gab eine klare Erklärung für die Tatsache, dass die Menschen wieder eine gewisse Erholung zeigten. So wurde der Begriff Hirntod oft zu Unrecht verwendet, zum Beispiel in dem Moment, als das Hirntodprotokoll noch gar nicht durchgeführt worden war. Oder das Hirntodprotokoll wurde durchgeführt, während die Vorbedingungen nicht erfüllt waren, zum Beispiel weil kein klarer Grund für die Hirnschädigung bekannt war oder weil eine Intoxikation vorlag.‘

Sorgfalt und Sicherheit

Alles in allem kommen Kuiper und Rouhl zu dem Schluss, dass das Hirntodprotokoll in den Niederlanden sehr sorgfältig ausgearbeitet ist. Rouhl: „Dieses Protokoll ist gut durchdacht. Wenn man es Schritt für Schritt genau befolgt, kann man mit Sicherheit feststellen, dass jemand hirntot und somit verstorben ist. Darauf kann man vertrauen.“

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