Innovationen bei Spende und Transplantation
Die Entwicklungen in der Welt der Spende und Transplantation schreiten schnell voran. Beispiele hierfür sind die Maschinenperfusion, künstliche Intelligenz, die Verwendung von gezüchtetem Gewebe und die Xenotransplantation.
3 april 2025
Jeroen de Jonge ist Transplantationschirurg am Erasmus MC und Vorsitzender der Nationalen Beratungskommission für Spende- und Transplantationsinnovation (LADTI). Er spricht über die neuesten Entwicklungen und Zukunftschancen.
Mehr nutzbare Organe durch Perfusion
Jeroen de Jonge: ‚Eine der stürmischsten Entwicklungen in meinem Fachgebiet betrifft die Maschinenperfusion. Bei der Maschinenperfusion werden Organe nach der Spende in einem Gerät in optimalem Zustand gehalten, bevor die Transplantation stattfindet. Vor etwa 5 Jahren war dies noch Pionierarbeit. Heute wird sie bereits routinemäßig in den niederländischen Transplantationszentren angewendet.‘
‚Die Maschinenperfusion ermöglicht es uns, die Funktion eines Organs zu überwachen, wodurch Organe von Extended Criteria Donors (ECD-Spendern) häufiger verwendet werden können. Dabei handelt es sich um Organe, die zuvor als nicht geeignet erachtet wurden, wie etwa eine Leber von jemandem in den 90ern. Manchmal erweisen sich Organe an der Maschine als besser funktionierend als erwartet, sodass wir sie doch noch transplantieren können.‘
Zukunft: Behandlung von Organen während der Perfusion
Der nächste Schritt in diesem Prozess ist die Behandlung und Verbesserung von Organen während der Perfusion. ‚In Zukunft könnten wir vielleicht Anti-Aging-Medikamente verabreichen oder Lungen in der Maschine mit hohen Dosen von Antibiotika gegen Infektionen behandeln.‘
Künstliche Intelligenz
Die Maschinenperfusion generiert enorme Mengen an medizinischen Daten, was Chancen für künstliche Intelligenz (KI) bietet. De Jonge: ‚Es ist schwierig, in diesen Daten Muster zu erkennen, und genau das ist es, was KI gut kann. KI kann in Zukunft Empfehlungen zu Variablen wie Temperatur, Widerstand und Organfunktion geben, wodurch die Maschinenperfusion weiter optimiert wird.‘
KI bietet auch breitere Möglichkeiten. ‚Wir sammeln bereits viele Daten über Spender, Empfänger, Transportzeiten, Sauerstoffgehalte und immunologische Faktoren. KI kann diese Daten kombinieren und Verbesserungspunkte aufzeigen. Um dies zu realisieren, ist jedoch eine gute Zusammenarbeit zwischen Fachgebieten wie Immunologie und Transplantationschirurgie sowie Krankenhäusern unerlässlich. Zudem müssen wir Vereinbarungen darüber treffen, wo die Daten gespeichert werden, wie die Privatsphäre gewährleistet wird und wer die Koordination übernimmt. Die Niederländische Transplantationsstiftung kann hierbei ebenfalls eine Rolle spielen.‘
Gezüchtetes Gewebe und Xenotransplantation
Auch auf dem Gebiet des Tissue Engineering und der Xenotransplantation gibt es wichtige Entwicklungen. ‚Das Züchten kompletter Organe aus Stammzellen erweist sich als sehr schwierig. Ich sehe vor allem Anwendungen bei hybriden Organen, wie etwa einem hybriden Kunstherz, bei dem menschliches Gewebe Abstoßungsreaktionen und Thrombosen reduziert.‘
‚Darüber hinaus wurden im Ausland hoffnungsvolle Ergebnisse bei der Xenotransplantation erzielt. Ich hätte nie erwartet, in meiner Karriere zu erleben, dass ein Schweineherz erfolgreich in einen lebenden Patienten transplantiert wird. Das zeigt, wie schnell Entwicklungen manchmal voranschreiten können.‘
Neue Herausforderungen
Auch dank dieser Innovationen ist die Zahl der Menschen, die auf der niederländischen Warteliste sterben, zum ersten Mal seit Jahren gesunken. Dennoch bringt die Zunahme von Organtransplantationen neue Herausforderungen mit sich, wie etwa einen höheren OP-Kapazitätsbedarf und technische Einrichtungen für die Maschinenperfusion.
‚Früher waren 2 Transplantationen an einem Wochenende bereits etwas Besonderes, heute führen wir manchmal sogar 3 an einem Wochenende durch. Um der gestiegenen Nachfrage nach Einrichtungen und Kapazitäten gerecht zu werden, könnten in Zukunft spezialisierte Organverbesserungskliniken entstehen, die speziell für Spende- und Transplantationsprozesse eingerichtet sind.‘
Organspende bleibt entscheidend
Dennoch warnt De Jonge vor zu viel Optimismus. „Technologische Entwicklungen dürfen uns nicht vergessen lassen, dass Organspende essenziell bleibt. Die Gefahr besteht darin, dass die Menschen denken: ‚Das Problem ist gelöst‘, und nicht mehr über die Notwendigkeit einer Spende nachdenken. Wir müssen die Menschen weiterhin informieren und aktiv in die Diskussion über Organspende einbeziehen.“
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