Empfehlung für Ärzte zur Nutzung des Qualitätsstandards Spende
Der Spende-Intensivmediziner Farid Abdo führt häufig Spendengespräche und berichtet, wie er die Empfehlungen aus der Untersuchung von IQ healthcare zum Qualitätsstandard in der Praxis anwenden kann.
20 september 2023
Über die Untersuchung
Die Forscherin Sanne van Oosterhout (IQ healthcare) führte eine qualitative Untersuchung zur Nutzung des Qualitätsstandards Spende durch.
Gemeinsam im Gespräch über Organspende
„Ein wesentlicher Punkt aus der Untersuchung von IQ healthcare ist die Frage, ob Familienmitglieder über den jeweiligen Spendenwunsch des anderen Bescheid wissen. Leider stellte sich heraus, dass dies oft nicht der Fall war und Spendengespräche bei ‚Kein Widerspruch‘-Registrierungen dadurch schwieriger verliefen. Ich finde, dass hier eine echte Aufgabe für die Regierung liegt. Sie müssen die Bürger dazu anregen, ihren Wunsch mit Angehörigen zu besprechen. Das schafft mehr Klarheit und entlastet die Familienbegleitung erheblich.“
Was ist Ihr Rat an Ärzte?
„Mein Rat an Ärzte lautet: Seien Sie bei einer ‚Kein Widerspruch‘-Registrierung sehr klar und ohne Zweifel bezüglich der Registrierungsentscheidungen. Das können Sie tun, indem Sie sagen: ‚Es liegt eine Zustimmung auf Basis von ‚Kein Widerspruch‘ vor. Das bedeutet, dass wir die Spende einleiten werden. Haben Sie jemals gemeinsam darüber gesprochen?‘.
Anschließend geben Sie der Familie den Raum, dazu etwas zu sagen. Die Familie kann sagen: ‚Ja, aber unser Vater wollte das wirklich nicht‘. Vertiefen Sie als Arzt dann den Wunsch des Spenders gemeinsam mit der Familie.“
„Wenn sich dann herausstellt, dass die Registrierung tatsächlich nicht mit dem letzten Wunsch des Spenders übereinstimmte, dann handelt der Arzt im Einklang mit dem Wunsch des Spenders.
Bei ‚Ja, unser Angehöriger wollte tatsächlich spenden‘ geben Sie als Arzt weitere Erklärungen und der Spendeprozess wird eingeleitet.“
Vertiefung des Wunsches des Angehörigen
Hat die Familie nie darüber gesprochen? Dann gibt der Arzt weitere Informationen. Der Arzt kann fragen, was zum Verstorbenen passen würde, anstatt zu fragen, was die Familie möchte.
Zum Beispiel: ‚War Ihr Vater jemand, der nach seinem Tod anderen helfen wollte, indem er seine Organe spendet?‘ Dann kann die Familie nachdenken und dies bestätigen oder verneinen. ‚Das passte tatsächlich (nicht) zu Papa.‘
Indem man sich im Gespräch auf die Vision und den Willen des Angehörigen konzentriert, wird die Familie nicht unnötig mit der Entscheidungslast belastet. Und man handelt meiner Meinung nach nicht gegen die Wünsche des potenziellen Spenders.“
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