Transplantationen besser vorbereiten dank Einsicht in CT-Scans
Bei Spenderoperationen wird vorab ein CT-Scan des Spenders erstellt. Seit November 2025 kann auch der empfangende Chirurg diese Bilder einsehen. „Ich finde es unglaublich gut, selbst schauen zu können: Passt dieses Organ zu diesem Patienten?“
25 maart 2026
„Mein Leben als Transplantationschirurgin wird besser, jetzt wo ich vorab CT-Scans des Spenders einsehen kann“, sagt Mijntje Nijboer. Die Chirurgin am Leids Universitair Medisch Centrum beschäftigt sich täglich mit Organtransplantationen. Sie arbeitet in einem der fünf unabhängigen Entnahmeteams in den Niederlanden. Stirbt in einem Krankenhaus in ihrer Region ein Organspender, kommt dieses Team, um die Operation zur Organentnahme durchzuführen. Zudem arbeitet sie auf der Empfängerseite: Als Transplantationschirurgin führt sie Operationen durch, bei denen Patienten ein Spenderorgan erhalten.
Scharf und detailliert
Seit November 2025 ist es möglich, CT-Scans und Röntgenbilder von Organspendern anonymisiert über das Twiin-Portal zu teilen. Die Projektgruppe „Implementierung des Austauschs von Bildmaterial“ der Niederländischen Transplantationsstiftung hat vier Jahre daran gearbeitet. CT-Scans liefern nützliche Informationen über Größe, Form und Qualität eines Spenderorgans. „Man kann zum Beispiel die Gefäßstrukturen gut erkennen“, sagt Organspendekoordinator (ODC) Wim de Jongh vom Maastricht UMC+, der Mitglied der Projektgruppe war. „Anatomisch gibt es bei Blutgefäßen ziemlich viel Variation. Nieren können zum Beispiel mehrere zu- oder abführende Blutgefäße haben statt nur eines. Eine solche Niere kann perfekt sein, aber dennoch nicht für den empfangenden Patienten geeignet.“
Den Weg finden
Mijntje ist daher froh, dass sie als Transplantationschirurgin nun vorab CT-Scans von Spenderorganen einsehen kann. „Ich finde es unglaublich gut, selbst schauen zu können: Passt dieses Organ zu diesem Patienten? Eine Leber, die zu groß ist, kann zu vielen Problemen führen. Auch weiß ich jetzt vorab, ob ich eine abweichende Anzahl an Blutgefäßen berücksichtigen muss.“ Seit sie die CT-Scans vorab studieren kann, hat sie bereits Spendernieren abgelehnt. „Es gab Verkalkungen, die bis in das Organ hineinreichten. Diese Nieren wurden daher gar nicht erst entnommen. Wenn jemand zudem kein anderes Organ spendet, bedeutet das auch, dass man kein Verfahren mit einem unabhängigen Entnahmeteam starten muss. Auch für die Angehörigen ist es gut, wenn nicht unnötig ein Spenderverfahren eingeleitet werden muss.“
“Vorwissen über den Körper des Spenders ist für den Entnahmechirurgen von großem Wert”
Vorab teilen
Ein CT-Scan des Spenders wurde oft bereits während der Behandlung erstellt. Andernfalls geschieht dies noch vor der Spenderoperation; das ist seit 2023 in den Richtlinien festgelegt. Vorwissen über den Körper des Spenders ist nämlich für den Entnahmechirurgen von großem Wert, erklärt Mijntje. „Bei lebenden Patienten sind pochende Schlagadern ein sehr wichtiger Hinweis, um sich im Körper zurechtzufinden. Aber bei einem Spender, der keinen Blutkreislauf mehr hat, gibt es keine pochenden Schlagadern.“ Es gab jedoch bis November 2025 keine Technik, um den CT-Scan vorab vom Spenderkrankenhaus aus zu teilen. Mijntje: „Ich bekam sie als Entnahmechirurgin erst vor Ort zu sehen. Der Organspendekoordinator konnte sich im OP einloggen und durch die Bilder blättern.“
Projekt rund um Bildmaterial
Aber das war immer noch um Längen besser als die Situation der Transplantationschirurgen: Diese bekamen die Bilder überhaupt nicht. Sie mussten sich mit dem Bericht des Radiologen aus dem Spenderkrankenhaus begnügen. „Es gab bei den empfangenden Ärzten den starken Wunsch, auch die Bilder selbst ansehen zu können“, sagt Mijntje. Dieser Wunsch führte zum Projekt „Implementierung des Austauschs von Bildmaterial“. Das Projekt lief über vier Jahre, erzählt Projektleiterin Ramona Broekhuizen von der NTS. „Es war eine ziemliche Herausforderung, denn man versucht, etwas in Krankenhäusern zu regeln, in denen man als NTS keinerlei Weisungsbefugnis hat.“
Projekt Implementierung des Austauschs von Bildmaterial
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Blick auf die ProjektseitePortal bietet Zugang
Die Projektgruppe musste zunächst einen IT-Anbieter finden, mit dem alle Krankenhäuser arbeiten konnten. Nach zahllosen Gesprächen mit IT-Experten aus Krankenhäusern fiel die Wahl auf Twiin. Dieses Unternehmen war bereits dabei, alle Krankenhäuser an sein Portal anzuschließen, eine Webseite, die Zugang zu Informationen und Diensten bietet.
Bilder anonymisieren
Danach kam „der schwierigste Teil“, sagt Wim. „Wir dachten: Wir schicken das Bildmaterial an Twiin und sie schicken es an die Krankenhäuser; ein Kinderspiel! Aber das ging nicht so einfach, denn an diesen Bildern hängen Name und Geburtsdatum des Spenders. Die Frage war: Wie anonymisieren wir diese Bilder und machen trotzdem deutlich, zu welchem Spender sie gehören?“ Nicht jeder hielt eine Anonymisierung für notwendig, erzählt Ramona. „Ärzte sagten: Diese Patienten sind doch verstorben und wir haben eine Schweigepflicht. Aber die Schweigepflicht bedeutet noch nicht, dass jeder Gesundheitsdienstleister sie einsehen können muss.“
Eurotransplant-Spendernummer
Die Projektgruppe fand eine Lösung: die personenbezogenen Daten der Spender durch ihre Spendernummer bei Eurotransplant zu ersetzen. Die ODCs übernehmen dies. Zuerst sendet der Radiologe des Spenderkrankenhauses die Bilder an Twiin. Mit einem Knopfdruck kann das ODC diese Bilder anonymisieren und unter der Eurotransplant-Spendernummer speichern. Über einen Link im Donorreport von Eurotransplant kann jeder, der die Bilder benötigt, sie einsehen.
Schnell gelungen
Das Portal ist inzwischen voll in Gebrauch. Am Anfang mussten sich die Radiologen erst an das Hochladen von Bildern gewöhnen. „Das Versenden von Bildern über Twiin erfolgt normalerweise im Tagesgeschäft durch das Sekretariat. Aber unsere Eingriffe finden oft abends und nachts statt und haben Dringlichkeit für die Bildgebung“, erklärt Wim. Im Startmonat November gelang es in der Hälfte der Fälle, die Bilder zu teilen. Im Monat darauf klappte es bereits bei 32 von 35 Spenderverfahren. Und der Stand im Februar 2026 ist, dass es fast immer reibungslos funktioniert.
Weniger Stress
Die NTS erhält laut Ramona „superenthusiastische Reaktionen“ von Ärzten. „Sie wollen auch Echos und CAGs teilen. Aber das geht in diesem System nicht, weil es eine andere Art von Datei ist. Wir haben uns das heimlich schon angesehen.“ Lachend: „Also würde ich sagen: Genießt erst einmal das hier.“ Mijntje tut das auf jeden Fall. „Sowohl eine Spenderoperation als auch eine Transplantationsoperation sind nicht die einfachsten Operationen. Sie sind auch nicht in einer Stunde erledigt. Es spart Stress und Anspannung, wenn man gut vorbereitet hineingeht.“
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