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Manager Joyce Deggens und Direktorin Naomi Nathan von der NTS im Gespräch

„Die NTS nimmt eine besondere Position in einem komplexen und faszinierenden Bereich ein“

2 juli 2024

Naomi Nathan ist Direktorin der NTS. Joyce Deggens ist Managerin für Politik. Was ist ihre Meinung: Wie steht die Niederlande im Bereich Spende und Transplantation da? Welche Herausforderungen sehen sie für die Zukunft? Lesen Sie ihr Gespräch über Chancen, Verbesserungspunkte und Zukunftsperspektiven.

Wo stehen die Niederlande im Bereich Spende und Transplantation?

Naomi:

„Die Niederlande sind sehr fortschrittlich, zum Beispiel bei der Lebendspende. Man nehme nur die Crossover-Nierendepend. Dies ist ein System, bei dem eine Spendeniere für die Person, der der Spender die Nieren geben wollte, nicht geeignet ist. Dann können Nieren zwischen Paaren ‚ausgetauscht‘ werden. Auf diese Weise werden Spende und Transplantation dennoch möglich. Auf diesem Gebiet sind wir Europameister.“

Joyce:

„Dieses spezifische Wissen haben wir in den Niederlanden entwickelt, worauf wir wirklich stolz sein können. Ich denke, dass andere Länder viel von uns lernen können, aber es ist für unsere Weiterentwicklung auch außerordentlich interessant, über die Landesgrenzen hinaus zu blicken.“

Naomi:

„Die Niederlande haben eine liberale Denkweise, sagte ein italienischer Kollege. Wir sind bereit, neue Möglichkeiten zu erforschen, wie zum Beispiel die Spende nach Euthanasie. Das gilt auch für die Organspende nach einem Kreislaufstillstand (DCD bzw. Donation after Circulatory Death). Das ist nicht in allen Ländern möglich. Wir verfügen über die Perfusionsgeräte, um sicherzustellen, dass das Organ eine hohe Qualität aufweist.“

Lesen Sie auch: Erfolg der DCD-Herzpende in den Niederlanden

Welche Herausforderungen sehen Sie für die NTS?

Naomi:

„Wir sind eine echte Netzwerkorganisation, ein Kettenregisseur. Das bedeutet, dass wir für eine faire Verteilung von Geweben und Organen verantwortlich sind und Entwicklungen ermöglichen, die zu einer besseren Patientenversorgung führen. Um das Wissen über Spende und Transplantation zu erweitern, möchten wir auf europäischer Ebene Daten erschließen und zur Verfügung stellen. Das wird in den kommenden Jahren eine Herausforderung für die NTS sein. Es besteht national und international ein großer Bedarf an entscheidungsunterstützender Software. Aber deren Entwicklung und Bereitstellung müssen wir im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen ermöglichen können.“

Joyce:

„Ich denke, wir müssen klar auf die Agenda setzen, welche Hemmnisse es im Bereich der Organisation und Gesetzgebung gibt. Gemeinsam mit Stakeholdern arbeiten wir an einer stetigen Verbesserung der Organisation der Spendeversorgung. Vom Ministerium und den Stakeholdern erhalten wir glücklicherweise bereits Hilfe bei der Suche nach Lösungen. Und wir haben eine gute Rechtsabteilung bei der NTS, die aktiv mit uns und dem VWS mitdenkt. Wir stehen glücklicherweise keiner abgeneigten Regierung gegenüber, sondern prüfen die Möglichkeiten wirklich gemeinsam.“

Was sind Ihre Ambitionen?

Naomi:

„Im kommenden Jahr möchten wir Software entwickeln, mit der noch besser vorhergesagt werden kann, ob ein lebender Spender und Empfänger kompatibel sind. Dies tun wir auf der Grundlage neuer Modelle, die Immunologen des LUMC zusammen mit Neurologen des Erasmus MC entwickelt haben. Diese Software wird von der NTS nicht selbst entwickelt, sondern auf Basis unserer Daten validiert. Auch im Bereich der Maschinenperfusion von Organen gibt es noch viel zu lernen und zu entwickeln. Die NTS unterstützt die Transplantationszentren bei der Einführung neuer Anwendungen.“

Joyce:

„Die NTS ist veränderungsbereit. Das bedeutet nicht, dass Veränderungen schnell gehen, denn wir haben mit vielen Stakeholdern zu tun. Aber der Antrieb zu innovieren und zu lernen ist absolut da. Das müssen wir uns bewahren.“

Was hoffen Sie, in 5 Jahren mit der NTS erreicht zu haben?

Joyce:

„Ich hoffe, dass wir dann auf jeden Fall die wichtigsten Hürden im Bereich der Datenerschließung beseitigt haben. Wir haben enorm reiche Datenquellen, die wir gut für die Entscheidungsunterstützung und Assistenz einsetzen können. Es wäre unglaublich schön, all diese Quellen miteinander zu verknüpfen. Und natürlich hoffe ich, dass wir in 5 Jahren die Zahl der Donoren ordentlich gesteigert haben. Schließlich ist es das, wozu wir auf der Welt sind.“

“Es wäre großartig, wenn niemand mehr von der Entschiedung eines Angehörigen zur Organspende überrumpelt wird”

Naomi Nathan
Naomi Nathan

Naomi Nathan ist seit Februar 2023 Direktorin-Vorständin der NTS. In ihrer Arbeit sind ihr klare Analysen und Humor wichtig. „Eine Frage, die ich immer stelle: Verstehen wir das Problem, das wir gerade lösen? Das muss man ganz scharf vor Augen haben, sonst betreibt man schnell Symptombekämpfung.“

Naomis Motivation für diese Arbeit:

„Dieser Arbeitsbereich ist besonders, weil man durch Organspende Leben rettet und durch Gewebespende die Lebensqualität von Transplantationspatienten wirklich verbessern kann. Außerdem finde ich es schön, eine Rolle an der Schnittstelle von Tertiärversorgung, Innovation und Wissenschaft spielen zu können. Ich bin stolz darauf, dies bei einer großartigen Organisation wie der NTS tun zu dürfen, in der viele motivierte Menschen arbeiten.“

“Ich hoffe, dass wir in fünf Jahren die Zahl der Donoren ordentlich gesteigert haben, schließlich ist es das, wozu wir auf der Welt sind”

Joyce Deggens
Joyce Deggens

Joyce Deggens ist seit Juli 2023 Managerin für Politik bei der NTS. Sie packt gerne an und denkt in Möglichkeiten. „Wenn ich etwas nennen muss, das meine Arbeitsweise typisiert, dann ist es, dass ich keine ‚Ja-Abers‘ mag. Das Wort ‚aber‘ existiert für mich nicht.“

Joyces Motivation für diese Arbeit:

„Die NTS hat eine besondere Position in einem komplexen und faszinierenden Feld. Mit unserem Wissen, unserer Expertise und unserer Netzwerkrolle ist die NTS von großem Wert, wenn Knoten entwirrt und Fragestellungen untersucht werden müssen, wobei Stakeholder selbstverständlich gut eingebunden bleiben müssen. Ich bin stolz darauf, wie beharrlich und engagiert die Menschen der NTS und des Arbeitsfeldes sind, um die Messlatte gemeinsam immer ein Stück höher zu legen.“